Alegra Cole zählt seit zwölf Jahren zu Deutschlands erfolgreichsten DJanes und ist für Glamour und coole Sounds europaweit bekannt.  Ob Paris, Berlin, Hamburg, St. Moritz, Amsterdam, Marbella oder Madrid – es gibt keinen Ort, an dem sie noch nicht die Party Crowd zum Beben gebracht hat.

Die Stuttgarterin wird für Galas, Dinner Partys und wirtschaftsbezogene Veranstaltungen gebucht. Wir haben mit der bekannten DJane über die Auswirkungen des Lockdowns, Live Streams und die Zukunft gesprochen. Hier spricht sie sicherlich auch für viele ihrer betroffenen Kolleginnen und Kollegen der Veranstaltungswirtschaft und Kulturszene.

 

Wie sehr wurde die Veranstaltungswirtschaft, in der Du als DJane tätig bist, von den Lock Downs getroffen? Auf welchen Events konntest Du überhaupt noch aufgelegen? Die Veranstaltungswirtschaft ist seit März 2020 im Berufsverbot und somit am härtesten betroffen.  Seit über 356 Tagen sind wir im Event-Lockdown. Die Politik hat es bis heute nicht geschafft, die vorgeschlagenen Hygienekonzepte, Öffnungsstrategien oder Hilfsprogramme für Unternehmen und Soloselbstständige der Initiative AlarmstufeRot umzusetzen oder gar zu beachten. Im Jahr 2018 hat die Eventbranche über 130 Mrd. Euro erwirtschaftet, den größten Teil davon durch wirtschaftsbezogene Veranstaltungen wie Messen, Tagungen, Kongresse, Business oder Marketing Events, auf denen ich normalerweise auflege.

Im Frankfurter Raum lege ich sehr oft auf, denn dort befinden sich neben einer der größten Messen auch viele nationale und internationale Unternehmen, die mich für ihre B2B und B2C Veranstaltungen als DJane buchen. Von der Eventwirtschaft profitieren zahlreiche Branchen wie die Hotellerie, die Gastronomie, der Einzelhandel und der Reiseverkehr. Sie zählt zu den größten Wirtschaftszweigen, die wir in Deutschland haben und sollte seitens Politik daher auch respektiert und angemessen entschädigt werden. Der Umsatzverlust der Veranstaltungswirtschaft lag im Jahr 2020 geschätzt bei 95 – 100 %. Keine andere Branche musste aufgrund der Corona-Krise so viele Sonderopfer bringen wie die Eventbranche.

Kunst, Musik und Kultur sind systemrelevant und stehen für Lebensfreude und einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Leider sieht das die aktuelle Politik in vielen Bundesländern nicht so. Es gibt noch immer zu wenig Unterstützung.

Das einzige Bundesland, das sehr vorbildlich handelt und Künstler und Kulturschaffende wirklich respektiert und keine leeren Versprechungen macht, ist Bayern. Hier gibt es ein Soloselbstständigen-Programm für Kunst- und Kulturschaffende, um eine bessere Planungssicherheit und eine langfristige Perspektive für Künstler und Angehörige kulturnaher Berufe zu schaffen. Das sollten die anderen Bundesländer unbedingt übernehmen, denn es wird auch eine Zeit nach dem Lock Down geben, in der man wieder feiern möchte. Ich bin mir sogar sicher, dass es einen großen Hype um Live Events in jeder Form geben wird. Die Nachfrage wird größer sein als das Angebot, wenn man jetzt Soloselbstständige der Veranstaltungswirtschaft nicht angemessen entschädigt.

Grundsätzlich ist der aktuelle Lock Down-Plan der Bundesregierung (Stand März 2021)  sehr irreführend, perspektivlos und schlecht organisiert. Vielleicht hätte eine erfahrene Eventagentur die Bundesregierung bei der Planung unterstützen sollen. Das gilt auch für die Impfplanung der einzelnen Bundesländer. Man hätte eine überaus große Auswahl an Eventagenturen buchen können, die seit 20 oder 30 Jahren nichts anderes machen als Planen und Organisieren. Dann hätten wir die Herdenimmunität schneller erreicht und könnten wieder mit Live Events loslegen.

Ich zähle zu den glücklichen DJs, die nach dem ersten Lock Down wieder Buchungen für Fashion und Outdoor Events hatten. Man konnte wirklich sehen, wie sich die Gäste freuten, dass wieder etwas mit coolen Sounds stattfindet. Alle Hygienekonzepte wurden problemlos eingehalten und es gab keinen einzigen Corona Fall. Danach durfte ich auf einigen Live Streams und Hybriden-Veranstaltungen für Unternehmen auflegen. Die Arbeit vor der Kamera macht mir großen Spaß, denn man kann wirklich zeigen, was man fachlich kann, da es live aufgenommen wird und später als komplettes Video ins Netz gestellt wird.

In meiner Branche gibt es viele schwarze Schafe, die sich als DJ oder DJane bezeichnen, technisch allerdings überhaupt nichts können und bei einem Live Stream oder Online Event somit entlarvt werden. Die Berufsbezeichnung DJ / DJane ist leider nicht geschützt, wie es z.B. auch bei Fotografen der Fall ist. Daher kann sich jeder als DJ / DJane betiteln. Allerdings haben viele meiner professionellen DJ und Musiker Kollegen seit über einem Jahr keine einzige Buchung mehr erhalten und sind sehr frustriert. Das schlägt sich natürlich auch auf ihre Psyche nieder.

Das ewige Veranstaltungsverbot der Bundesregierung wird nicht aufgehen, denn spätestens im Sommer möchten die Menschen wieder ausgehen und feiern. Und bevor eine Party im Untergrund stattfindet, sollte man sie mit angemessenen Hygienekonzepten, die bereits vor einem Jahr von AlarmstufeRot vorgelegt wurden, öffentlich durchführen.

 

Momentan finden die Fashion Weeks als Live Stream und Online Event statt. Sind Hybride-Veranstaltungen ein angemessener Ersatz für Live Events? Ich denke nicht, dass Live-Veranstaltungen in irgendeiner Form ersetzt werden können. Der persönliche Kontakt, z. B. auf einer Fashionshow oder Messe, um neue Kunden zu akquirieren und bestehende Kontakte zu pflegen, ist unersetzlich und für jedes Unternehmen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Live Streams sind allerdings eine tolle Ergänzung und werden auch in Zukunft immer interessanter für Unternehmen aller Branchen.

Von großen und mittelständischen Unternehmen wünsche ich mir allerdings mehr Weitsicht: Wenn sie jetzt nicht für ihre Online-Kongresse und Hybriden-Events mehr DJs und Musiker buchen, werden sie für die kommenden Messen und Weihnachtsfeiern keine professionellen DJs und Live Acts mehr bekommen, da sich momentan viele Soloselbstständige aus der Veranstaltungswirtschaft beruflich neu orientieren.

 

Du legst unter anderem für viele Modeunternehmen und Warenhäuser in Deutschland auf, bist für Deine glamourösen Outfits bekannt. Fehlt Dir der momentane direkte Bezug zur Fashion und was hältst Du von Click & Meet? Die Mode ist eine Art sich auszudrücken, unterstreicht die Persönlichkeit und wird von verschiedenen Faktoren wie Musik, Kunst und Kultur beeinflusst. Sie spiegelt oft mein Gefühl wieder und fehlt mir natürlich in der momentanen Situation sehr.

In einem Glitzerkleid würde ich nicht unbedingt in den Supermarkt gehen, aber zu Hause ziehe ich meine Bühnen-Outfits ab und zu noch an, auch um zu überprüfen, ob sie noch passen. Schließlich habe ich aktuell weniger Stress und hetze nicht wie üblich von einem Termin zum nächsten… da können schnell einige Corona-Pfunde zum Vorschein kommen. Für die kommenden Online Events habe ich meine Outfits bereits ausgesucht, allerdings sind das Veranstaltungen, bei denen firmeninterne Themen besprochen werden, und meine Kunden keine öffentlichen Postings auf Facebook oder Instagram wünschen. Das muss ich natürlich respektieren.

Auf Instagram unterstütze ich seit dem ersten Lock Down lokale Händler und Gastronomen unter dem Hashtag #supportyourlocal in meinen Stories. Das könnten doch alle Blogger für ihre Stadt tun, der Aufwand ist gering und die Freude bei den Händlern groß. Ich bin der Meinung, man sollte jetzt jede Chance nutzen um zu helfen! Bei meinen Online-Bestellungen achte ich seit vielen Jahren darauf, dass die Unternehmen ihren Firmensitz in Deutschland oder Europa haben. Wir müssen uns solidarischer verhalten und vor allem nationale Unternehmen unterstützen. Der stationäre Textileinzelhandel muss umgehend angemessene Hilfen und Umsatzausfälle erhalten, sonst werden unsere Innenstädte bald nur noch aus langweiligen Betongebäuden bestehen und Existenzen wundervoller Menschen reihenweise vernichtet.

Click & Meet ist für viele Modehäuser an der Realität komplett vorbei gedacht, weil die meisten Kunden spontan einkaufen und dafür keinen extra Termin ausmachen werden.  Die Hygienekonzepte der Einzelhändler sind vorbildlich und besser als in den meisten Supermärkten. Wir haben doch eine anständige Frauenquote in der Bundesregierung – daher verstehe ich diese Fehlentscheidung nicht.

Schließlich liegt das Shopping in unseren Chromosomen 😊

 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft und die Zeit nach Corona? Das Zauberwort heißt „Solidarität“. Das muss von der Politik, der Wirtschaft und unserer Gesellschaft kommen. Die Innenstädte müssen attraktiver gestaltet werden, hier sind natürlich die Städte selbst gefragt. Ich wohne in Stuttgart und es ist ein Alptraum, jedes Mal in die Innenstadt zu fahren, da ich durch zahlreiche Baustellen und schlecht koordinierte Ampelschaltungen fahren muss. Hinzu kommen noch die neuen Radwege, die in einer Stadt mit Kessellage überhaupt nicht genutzt werden und zusätzlich einen künstlichen Stau produzieren. Die Parkmöglichkeiten auf den Straßen werden immer überschaubarer und die überteuerten Parkhäuser sind abends für Frauen sehr unsicher, da kein Sicherheitspersonal vor Ort ist.

Logischerweise weichen viele auf die Einkaufszentren aus, in denen sie kostenlos oder günstiger parken, einkaufen und anschließend noch in einem Restaurant speisen. Daher sollten alle Länder und Städte sich schnell ein geeignetes Konzept überlegen und es auch zeitnah umsetzen.

Deutschland muss für Familienunternehmen als Standort attraktiver werden. Das gelingt mit niedrigeren Strompreisen und geringeren Unternehmens- und Erbschaftssteuern. Die Schweiz, Großbritannien und die USA haben es bereits vorgemacht. Die Global Player sollten ihre jahrelangen Zulieferer und Dienstleister nicht nur als Ausgabeposten betrachten, sondern auch strategisch an die Zukunft denken und weiterhin Aufträge erteilen, soweit es die Situation natürlich erlaubt. Sonst gibt es irgendwann den Dienstleister nicht mehr, mit dem man jahrelang erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Wir alle haben die Aufgabe Dinge bewusster wahrzunehme und mehr Solidarität zu zeigen; sei es für den Handel, die Gastronomie unsere Umwelt oder die Gesellschaft!

 

 

Fotos: Thomas Niedermüller, Goran Nitschke

http://www.alegra-cole.com

http://www.djaneplus.com

https://www.instagram.com/djane_alegracole/?hl=de

 

DANKE für das ehrliche Interview !

20 Comments
  1. Sehr gute Darstellung aller Probleme und Sorgen dieser Brachen !
    Solidarität ist absolut wichtig während Corona und nach Corona , denn nur so kann es eine erfolgreiche Zukunft für die Soloselbständigen, kleine Unternehmen und mittelständigen Unternehmen geben!!!!!

  2. Gutes Interview, in dem Alegra Cole die Themen offen auf den Punkt bringt. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Meinung öffentlich äußern, denn nur auf diesem Weg, können Veränderungen aktiv herbeigeführt werden.

  3. Cool. Hatte sie auch auf einer Veranstaltung, vor Corona, hat den ganzen Laden gerockt. Nach Corona stehen einige Feste an, sie wird das wieder schaffen. Liebe Grüsse

  4. Schön dass hier die ganze Wahrheit ausgesprochen wird! Wir buchen Alegra seit vielen Jahren für unsere Messe und sie ist einfach die Beste!

  5. Wir buchen Alegra Cole immer für unseren Neujahrsempfang in Frankfurt.
    Sie ist ein Profi durch und durch!
    Bald werden wir mit ihr eine Hybride Veranstaltung durchführen und freuen uns sehr darauf .

  6. Ein wunderbares Statement von einer wunderbaren Frau die genau das ausdrückt was ich auch denke, denn als Künstlerförderin habe ich viele Schicksale gesehen, die ein absolutes No Go und unmenschlich sind. Wie kann man die Kunst und Eventbranche so behandeln, wie kann ein Land so emotional verkommen. Ich danke unsere Heldin Alegra
    für ehrliche Worte. Big hug Heike

  7. Danke für Deine ehrlichen Worte. Ich bin froh, dass wir für unsere Kunden viel virtuell umsetzen konnten aber der Wunsch nach echten Messen, Galas und Events wird immer lauter auch kundenseitig und die USA haben gerade die erste Gala wieder im September gebucht 🙏🏼

  8. EIN GROßES DANKE SCHÖN FÜR DIE TOLLEN KOMMENTARE UND DAS POSITIVE FEEDBACK!!
    ICH KANN ES KAUM ERWARTEN BIS ES WIEDER LOSGEHT!

    XOXO ALEGRA COLE

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